Digitale Transformation der deutschen Industrie

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Bild: Bitkom e.V.

Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, sehen fast alle deutschen Industrieunternehmen (94%) Industrie 4.0 als sehr wichtig (64%) oder sogar unverzichtbar (30%) an. Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, die anlässlich der Hannover Messe unter 555 Industrieunternehmen des verarbeitenden Gewerbes ab 100 Beschäftigten in Deutschland durchgeführt wurde.

Dabei messen 89% Industrie 4.0 allgemein eine sehr große oder eher große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie bei. Auch künstliche Intelligenz (78%) und humanoide Roboter (63%) werden mehrheitlich eine sehr große oder eher große Bedeutung zugerechnet.

Gleichzeitig bewertet die deutsche Industrie den Einsatz digitaler Technologien in der Produktion weit überwiegend positiv: 81 Prozent der deutschen Industrieunternehmen sehen Industrie 4.0 als Chance, nur 16 Prozent sehen darin ein Risiko.

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Bild: Bitkom e.V.

Einsatzmöglichkeiten für die Produktion

Deutsche Industrieunternehmen setzen bereits auf die Möglichkeiten, die Industrie 4.0 bietet. Künstliche Intelligenz wird bereits von 40% genutzt und ist bei 38% in Planung. Darüber liegt noch der Einsatz von digitalen Zwillingen (45% und 26%). Physical AI, also KI, die Maschinen oder Roboter in die Lage versetzt, physische Aufgaben selbstständig auszuführen, ist bei 6% der deutschen Industrieunternehmen im Einsatz. Gut 28% planen dies für die Zukunft. Bei digitaler Infrastruktur und Vernetzung setzen 45% der Unternehmen auf IoT-Plattformen (geplant 26%). 27% der deutschen Industrieunternehmen wollen 2026, verglichen mit dem Jahr 2025, mehr in Industrie-4.0-Technologien investieren, 50% wollen ihre Investitionen auf dem bisherigen Niveau halten. 20% planen geringere Investitionen.

Neue Trends

Vor allem in humanoiden Robotern sehen viele Industrieunternehmen (64%) einen Produktivitätsfaktor. Fast sieben von zehn (68%) sprechen sich dafür aus, dass Deutschland humanoide Roboter schnell selbst entwickelt und auf den Weltmarkt bringt. Gleichzeitig hält fast jedes dritte Industrieunternehmen (31%) humanoide Roboter für einen Hype, der bald vorübergehen werde, 41 Prozent sind der Auffassung, die Technologie koste mehr, als sie bringe.

Nur 6% der Industrieunternehmen arbeiten mit ihnen, jedes zehnte Unternehmen (10%) plant dies und 8% diskutieren darüber. Allerdings ist für 3 von 4 Industrieunternehmen (72 Prozent) der Einsatz Humanoider Roboter derzeit noch kein Thema. Auf der anderen Seite kann sich fast die gesamte deutsche Industrie (97%) zumindest langfristig vorstellen, dass humanoide Roboter in der Produktion breit eingesetzt werden.

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Bild: Bitkom e.V.

KI als Wettbewerbsfaktor

Dass KI künftig entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie sein wird, sehen fast 8 von 10 Unternehmen (79%). 76% sind der Meinung, dass die deutsche Industrie beim Einsatz von KI eine Vorreiterrolle einnehmen sollte. Nur 19% halten KI in der Industrie für einen vorübergehenden Hype. Gleichzeitig stimmt mehr als die Hälfte (55%) der Aussage zu, dass die deutsche Industrie die KI-Revolution zu verschlafen droht, 9% mehr als im Vorjahr). Dennoch sieht sich bei KI jedes zweite deutsche Industrieunternehmen (51%) vorne. 46% ordnen sich hingegen eher als Nachzügler ein (36%) oder sagen gar, sie hätten den Anschluss verpasst (10%).

Schwierige Konjunktur bremst Digitalisierung

Die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage wirkt sich nachteilig auf die Digitalisierung der deutschen Industrie aus. Über die Hälfte (58%) der Industrieunternehmen ist der Auffassung, dass die aktuelle Konjunktur die Digitalisierung ihres Unternehmens bremsen wird. 45% rechnen mit einem Stellenabbau im eigenen Unternehmen, gleichzeitig erwarten 48%, infolge von Stellenkürzungen in anderen Industrieunternehmen Fachkräfte gewinnen zu können. Vor allem Exporte aus China werden als sehr starken (13%) oder eher starken (49%) Wettbewerbsdruck wahrgenommen. Umgekehrt spüren lediglich 22% geringen und 13% keinerlei zusätzlichen Druck.

Aufholbedarf in Deutschland

Nach Selbsteinschätzung der Unternehmen liegt Deutschland im internationalen Vergleich bei Industrie 4.0 nur auf Platz drei. Ein Zehntel (10%) der Industrieunternehmen sieht Deutschland international vorne. Als führende Nation bei Industrie 4.0 wird derzeit am häufigsten China genannt (34%), und auch die USA werden von 21% in diesem Bereich führend wahrgenommen. Bei der Bewertung des eigenen Unternehmens sehen sich 9% an der Spitze, 38% eher als Vorreiter, 50% als Nachzügler und nur 1% gibt an, den Anschluss verpasst zu haben.

„Deutschland braucht bei industrieller KI bessere Standortbedingungen: Mehr Rechenkapazitäten, bessere Dateninfrastrukturen, umsetzbare Regeln, gezielte Fachkräftequalifizierung und einfache Förderprogramme für den Mittelstand. Jetzt geht es nicht mehr um das nächste Pilotprojekt, sondern um den breiten Einsatz von KI in der Wirtschaft und Industrie“, sagt Dr. Tanja Rückert, Bitkom-Vizepräsidentin.

Hinweis zur Methodik

Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 555 Industrieunternehmen des verarbeitenden Gewerbes ab 100 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 6 2026 bis KW 11 2026 statt.