Plattform für Physical AI in der Fabrik

Ed Kaste, SVP of Ultra-Low Power CMOS Business bei GlobalFoundries
Ed Kaste, SVP of Ultra-Low Power CMOS Business bei GlobalFoundriesBild: GlobalFoundries Management Services

Zum Spektrum aktueller Physical AI-Anwendungen zählen autonome mobile Roboter, kollaborative Roboter in der Montage und Anlagen, die ihren Zustand permanent selbst überwachen. Ein praxistaugliches Modell, um Physical-AI-Architekturen in der Industrie zu strukturieren, ist STAC: Sense, Think, Act, Communicate. Sense beschreibt die Erfassung der Umgebung mit immer vielfältigerer Sensorik – von Kameras über Radar- und Lidar-Systemen bis zu Schwingungs- und Umweltsensoren. Think steht für die lokale Auswertung dieser Daten auf Steuerungen, Industrie-PCs oder Edge-Boxen, oft mit KI-Inferenz, um deterministische Entscheidungen in Echtzeit zu treffen. Unter Act fallen die resultierenden Bewegungen und Schaltvorgänge, die über Antriebe, Greifer, Ventile und andere Aktoren realisiert werden. Communicate schließlich umfasst den Datenaustausch zwischen Feldgerät, Edge-Ebene und Cloud – etwa für Flottensteuerung, Software-Updates und Modellverbesserung. Aus Sicht eines Halbleiterherstellers stellt STAC drei harte Anforderungen: Energieeffizienz, reproduzierbare Latenz und langfristige Zuverlässigkeit inklusive Security über den Lebenszyklus. Erst wenn alle vier STAC-Funktionen unter diesen Bedingungen abbildbar sind, lassen sich Physical-AI-Systeme aus Pilotprojekten in breit ausgerollte, sicherheitskritische Umgebungen überführen.

In einer modernen Produktion müssen zahlreiche Systeme, Menschen und Anlagen miteinander interagieren. Physical AI ist das Konzept, mehr Intelligenz in die dort eingesetzten Automatisierungssysteme zu integrieren.
In einer modernen Produktion müssen zahlreiche Systeme, Menschen und Anlagen miteinander interagieren. Physical AI ist das Konzept, mehr Intelligenz in die dort eingesetzten Automatisierungssysteme zu integrieren.Bild: GlobalFoundries Management Services

Warum klassische SoCs an Grenzen stoßen

Auf dem Shopfloor treffen mehrere Zwänge zusammen: beengte Einbauverhältnisse, thermisch anspruchsvolle Umgebungen, 24/7-Betrieb und lange Produktlebenszyklen. Rein auf Spitzenleistung optimierte SoCs können diese Randbedingungen oft nur mit erheblichem Aufwand erfüllen. Gleichzeitig müssen sie heterogene Workloads tragen: klassische Steuerungslogik, Signalverarbeitung, KI-Inferenz, Sicherheits- und Kommunikationsfunktionen. Gefragt sind daher Plattformen, die Compute, Sensoranbindung, Aktorik, Speicher und Vernetzung unter einem gemeinsamen Energie- sowie Latenzbudget zusammenführen und genügend Reserven für zusätzliche Modelle und Funktionen bieten.

Industrial
Bild: GlobalFoundries Management Services

Purpose-built Halbleiterplattformen als Fundament

Um diese Anforderungen zu adressieren, gewinnen spezialisierte Halbleiterplattformen an Bedeutung. Sie stellen nicht nur einzelne Bausteine bereit, sondern bilden das technische Fundament, um Physical-AI-Systeme zu skalieren. Energieeffiziente CMOS-Technologien und FinFET-Knoten sollen hohe Rechendichte mit niedrigem Energiebedarf kombinieren, um kompakte Edge-SoCs zu ermöglichen, die Sensorik, Signalverarbeitung und Steuerung integrieren. Eingebettete, nichtflüchtige Speicher wie MRAM speichern Firmware, Modelle sowie Konfigurationen im System und lassen sich über die Jahre mit Over-the-Air-Updates aktualisieren. Power-Management-Fähigkeiten – etwa getrennte Spannungs- und Takt-Domänen, tiefe Energiesparzustände und adaptive Regler – helfen, aktive und Standby-Verluste zu minimieren. Das zahlt sich insbesondere in mobiler Robotik, batteriebetriebenen Geräten und passiv gekühlten Steuerungen aus. Ergänzend sorgen RF-Bausteine und gegebenenfalls optische Schnittstellen dafür, dass große Datenmengen mit geringem Energieaufwand übertragen werden können. Advanced Packaging und heterogene Integration ermöglichen es wiederum , Compute-, Speicher-, RF- und Stromversorgungsfunktionen auf engem Raum zu koppeln. Kürzere Signalwege senken Latenzen und verbessern die Energieeffizienz, während sich Footprint und Stückkosten optimieren lassen. Mit den Fortschritten in diesem Segment werden sich künftig immer mehr Sensoren, Aktoren und Steuerungen in Physical-AI-Systeme einbinden lassen – nicht nur in wenige High-End-Systeme.

4030 AMD
Bild: Sven Doering / VISUM

Verteilte, softwaredefinierte Intelligenz

Parallel dazu wandelt sich die Systemarchitektur im Maschinen- und Anlagenbau. Rechenleistung und Intelligenz rücken näher an Sensoren und Aktoren. Entscheidungen werden dort getroffen, wo sie Wirkung erzeugen, um Signalwege kurz und Latenzen vorhersagbar zu halten. Für Halbleiterplattformen bedeutet das: Sie müssen heterogene Workloads unterstützen, über mehrere Produktzyklen hinweg nutzbar bleiben und Security-by-Design integrieren. Embedded-Speicher, sicheres Booten, Update-Mechanismen und Hardware-Sicherheitsfunktionen gehören daher zur Grundausstattung. Anbieter koppeln Prozesstechnologien, IP, Packaging und Fertigung im Rahmen eines Co-Design-Ansatzes und ergänzen sie um echtzeitfähige Prozessor-IP, beispielsweise mehrkernige, multi-threaded RISC-V-Varianten. So lassen sich deterministische Workloads in industriellen Physical-AI-Anwendungen gezielt adressieren.

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