
Gerade in Industrieunternehmen zeigt sich diese Herausforderung der Datenbereitstellung besonders deutlich. Daten liegen in ERP-, MES-, PLM-, CRM-, DMS-, SCADA- und Cloud-Systemen, zusätzlich in Dokumenten, Service-Tickets, E-Mails, Zeichnungen, Prüfberichten, Tabellen und im Erfahrungswissen der Mitarbeitenden. Damit rückt die Architekturfrage in den Mittelpunkt: Welcher Ansatz macht Unternehmensdaten KI-fähig?
Der Data Layer der Applikationsanbieter
Viele Softwareanbieter verfolgen einen naheliegenden Ansatz: Sie erweitern ERP-, MES-, PLM- oder CRM-Systeme um eine semantische Datenschicht, häufig ergänzt durch Knowledge Graphs, APIs und zunehmend durch das Model Context Protocol, kurz MCP. Wer diese Systeme ohnehin betreibt, kann sie als vertrauenswürdige Quelle für KI-Assistenten und Agenten öffnen. Der Vorteil dieses applikationszentrierten Ansatzes liegt in der Nähe zu bestehenden Geschäftsprozessen. Berechtigungen, Transaktionslogik und Datenmodelle sind oft bereits vorhanden. Der Nachteil ist die Perspektivverengung. Ein ERP-System versteht die Welt anders als ein MES, ein PLM- oder ein Service-System. Für viele KI-Anwendungsfälle reicht jedoch keine einzelne Systemperspektive. Wer allein auf den Data Layer eines einzelnen Applikationsanbieters setzt, riskiert neue Silos oberhalb der alten Silos.
Datenplattformen und Lakehouses
Ein anderer Ansatz ist die zentrale Datenplattform. Daten aus verschiedenen Quellen werden in einem Data Warehouse, Data Lake oder Lakehouse zusammengeführt, bereinigt, transformiert und für Analytics, Reporting, Machine Learning und KI-Anwendungen bereitgestellt. Lakehouse-Architekturen versuchen, die Vorteile von Data Lakes und Data Warehouses zu verbinden: Sie speichern strukturierte und unstrukturierte Daten in großem Maßstab und stellen zugleich Funktionen für Qualität, Governance, Tabellenformate und analytische Abfragen bereit. Databricks beschreibt das Lakehouse als Architekturansatz, der Data Warehousing, Analyse und Reporting auf einer gemeinsamen Plattform unterstützt. Der Vorteil liegt in Skalierbarkeit und analytischer Leistungsfähigkeit. Unternehmen können große Datenmengen historisieren, Datenprodukte bereitstellen und Modelle trainieren. Der Nachteil besteht im Aufwand. Daten müssen integriert, bereinigt, modelliert und laufend gepflegt werden.
Daten verbinden, ohne zu verschieben
Data-Fabric-Ansätze versuchen, Datenzugriff und Governance über verteilte Landschaften hinweg zu vereinfachen. Daten müssen nicht zwingend an einen Ort kopiert werden. Stattdessen entsteht eine integrierende Schicht, die Kataloge, Metadaten, Zugriffskontrolle, Integration, Virtualisierung und Governance verbindet. Data Fabric ist besonders interessant für Unternehmen mit heterogenen Bestandslandschaften. Sie müssen nicht erst alle Systeme ablösen oder alle Daten migrieren. Allerdings löst auch eine Data Fabric nicht automatisch das Semantikproblem. Entscheidend bleibt, ob Fachbegriffe, Verantwortlichkeiten, Datenqualität, Prozessbezug und Nutzungsrechte geklärt sind.


















