KI-Einsatz in der deutschen Industrie

Die Werkzeugbaufirma K.H. Müller Präzisionswerkzeuge aus dem rheinland-pfälzischen Sien kooperiert mit der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU), um KI in die Firma einzuführen. Konkret geht es dabei um die Großserienfertigung mit Sonderwerkzeugen.

Matthias Schmidt, Leiter von K.H. Müller Präzisionswerkzeuge, erklärt, dass früher Werkzeuge aus Sicherheitsgründen zu früh ausgetauscht wurden. Die KI errechnet jetzt die genaue und optimale Anzahl an Bohrvorgängen und spart dadurch Zeit, Material und sorgt für eine schnellere und sicherere Produktion.

„Noch handelt es sich hier um einen Prototyp unter Laborbedingungen. Bis zur industriellen Alltagsreife dauert es noch“, so Peter Simon, Projektbegleiter an der Hochschule in Kaiserslautern. „Insgesamt sehe ich auch bei kleinen Firmen ein wachsendes Interesse an KI.“

Laut einer aktuellen Studie des Netzwerk-Ausrüsters Cisco setzt sich die neue Technik inzwischen in der deutschen Industrie durch. Für die Untersuchung wurden weltweit mehr als 1.000 Führungskräfte aus Unternehmen in 19 Ländern befragt. Fast zwei Drittel der Industriebetriebe in Deutschland setzen laut der Umfrage KI bereits ein.

Im internationalen Vergleich liegen deutsche Unternehmen mit 65%, die KI aktiv einsetzen, deutlich vor dem europäischen sowie weltweiten Durchschnitt. KI werde vor allem eingesetzt, um die Produktivität zu verbessern und Kosten zu senken. Spätestens nach zwei Jahren sollen sich die anfänglichen Investitionen bezahlt machen.

Ein deutlich kritischeres Fazit als die Cisco-Studie zieht Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Er ist Wirtschaftswissenschaftler und forscht u.a. zur digitalen Zukunft. Zwar habe der KI-Einsatz in Deutschland in den vergangenen Jahren zugenommen, aber „im internationalen Vergleich sind andere weiter. Insgesamt befinden wir uns im Mittelfeld.“

Um KI selbstverständlicher in der Industrie einzusetzen, sei eine bessere Qualifizierung der Beschäftigten nötig, so Weber. Zudem fehle es in Deutschland auch an Risikoinvestitionen in diesem Bereich. Als Jobkiller sieht er künstliche Intelligenz jedoch nicht.

„Wir erwarten einen Umbruch, aber keinen Einbruch bei der Beschäftigung. Entscheidend ist, nicht darauf zu schielen, was KI für Menschen übrig lässt, sondern darauf zu schauen, welche neuen Tätigkeiten Menschen in Zukunft ausüben können.“ Nach Berechnungen des IAB könnte ein umfassender KI-Einsatz das Wirtschaftswachstum sogar um jährlich 0,8 Prozent erhöhen.

Neben dem Pilotprojekt der Werkzeugbaufirma und der RPTU Kaiserslautern, plant Schmidt auch den Kauf von Robotern. Diese sollen Kollegen und Kolleginnen nicht ersetzen, sondern unterstützen, z.B. bei Nachtarbeit, körperlich schweren Arbeiten oder dem Ordnen von großen Datenpaketen.

Langfristig wolle das Unternehmen seine Spezialwerkzeuge zusammen mit KI als Gesamtpaket anbieten. „Die neuen Geschäftsmodelle sind in Gänze noch gar nicht absehbar“, so Schmidt, „aber ersetzen wird die KI den Menschen sicher nicht. Für mich bietet die Technik neue Chancen.“