
Herr Dr. Meyer, was sind die Vorzüge einer digitalen ISO-Zertifizierung mit Hilfe eines KI-Assistenten gegenüber dem klassischen Zertifizierungsverfahren?
Jens-Uwe Meyer: Der zentrale Vorteil ist die Ersparnis von Zeit und Geld – sowie Gehirnschmalz. Das Erarbeiten der erforderlichen Dokumentationen für Normen wie der ISO9001 und 27001 war bislang eine monatelange Qual, für die meist die Unterstützung teurer, externer Berater nötig war.
Warum?
Meyer: Die Normen sind für Laien häufig unverständlich geschrieben. Der KI-Assistent unseres Zertifizierungstools übersetzt die Inhalte und führt die Verantwortlichen in kurzer Zeit durch den Prozess. Dadurch wird die Vorbereitung der Zertifizierung sehr einfach: Als User muss man nur Fragen beantworten und die KI erstellt dann die nötigen Dokumente.
Ein smartes Tool
Akzeptieren die menschlichen Auditoren der Zertifizierungsstellen problemlos die KI-generierten Unterlagen?
Meyer: Wir sind ja selbst eine Zertifizierungsstelle für ISO-Normen. Und wir tun genau das, was die Normen vorgeben: Wir prüfen, ob Unternehmen die Vorgaben einhalten und die Dokumentation in sich schlüssig ist. Dass bei deren Erstellung im 21. Jahrhundert auch künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt, ist normal. Die meisten Auditoren arbeiten heute selbst mit KI. Sogar der deutsche Akkreditierer, die DAkkS, akzeptiert den Einsatz von künstlicher Intelligenz, solange am Ende noch ein Mensch, der mitdenkt, drüberschaut und das Ergebnis freigibt.
Die Verantwortung liegt beim Mensch
Und wer haftet, wenn die KI einen Fehler z.B. bei der Normauslegung macht und das Unternehmen deshalb durch das reale Audit fällt?
Meyer: Am Ende ist es wie beim autonomen Fahren. Letztlich verantwortlich ist und bleibt der Mensch. Dass ein Unternehmen jedoch komplett durch ein Audit fällt, z.B. weil die KI etwas falsch zugeordnet hat, ist unwahrscheinlich. Dann würde der Auditor eine Abweichung schreiben. Im schlimmsten Fall muss das Unternehmen eine Extra-Runde drehen; das heißt, es gibt ein Nachaudit. Unsere KI ist seit zweieinhalb Jahren im Einsatz und wird Schritt für Schritt besser.
Wo liegen die Daten, die Ihr KI-Assistent verarbeitet, und wie gewährleisten Sie die Einhaltung der DSGVO und den Schutz vor einem Datenabfluss?
Meyer: Genauso wie Microsoft beim Einsatz von Copilot oder bei jeder Google-Suche, wenn der KI-Assistent aktiv wird, überspielen auch wir die Daten in die USA. Wichtig sind die mit den Anbietern getroffenen Vereinbarungen. Wir haben u.a. sichergestellt, dass die Daten unserer Kunden nicht zum Trainieren von KI-Modellen genutzt werden. Das ist übrigens etwas, was auch die ISO42001, das Managementsystem für künstliche Intelligenz, vorsieht. Im deutschsprachigen Raum gibt es hierzu leider nur wenige Alternativen.
Digitale ISO-Zertifizierung genießt hohe Akzeptanz
Wie wird die digitale ISO-Zertifizierung mit KI-Assistent angenommen? Bestehen ihr gegenüber seitens der Unternehmen noch Vorbehalte?
Meyer: Wir hatten anfangs Bedenken, dass wir dem Markt zu weit voraus wären. Doch das ist nicht der Fall. Unsere Kunden merken beim Arbeiten mit unserer Software rasch, dass sie mit ihr in wenigen Minuten Ergebnisse erzielen, für die sie sich ansonsten tagelang hätten quälen müssen. Das beseitigt eventuell noch bestehende Vorbehalte. Damit sich das Arbeiten mit der KI wie ein Dialog anfühlt, arbeiten wir außerdem stark am Thema Usability.

Geringere Kosten durch Prozessoptimierung
Was kostet ein Unternehmen eine solche Zertifizierung bei Ihnen und wann sollten sich Unternehmer bzw. Selbstständige hierfür entscheiden?
Meyer: Ein Unternehmen, das sich z.B. gemäß der ISO9001 oder ISO14001 zertifizieren lassen möchte, kann dies ab 149 Euro pro Monat tun. Dieses Fixum beinhaltet die Plattform, die Nutzung des KI-Tools, das Audit, die Zertifizierung selbst und auch die Nachbetreuung.
Werden künftig aufgrund der möglichen KI-Unterstützung mehr Unternehmen eine ISO-Zertifizierung erwägen?
Meyer: Ja. Von unseren mehr als 450 Kunden sagten viele im Erstgespräch, sie hätten schon mehrere ISO-Zertifizierungsanläufe gemacht und diese verzweifelt abgebrochen. Unser Zertifizierungsverfahren ist u.a. für alle Unternehmen attraktiv, die schon lange mit dem Zertifizierungsgedanken spielten, dies aber aufgrund des hohen Invests an Zeit und Geld nie taten.
Herr Dr. Meyer, danke für das Gespräch und Ihre Infos.

















