Wissenschaftskooperationen im Fokus

Hartmut Rauen
Bild: VDMA e.V.

Deutschland verfügt über einen herausragenden Innovationsraum im Maschinenbau. Das ungewöhnlich stark entwickelte Geflecht aus Wissenschaft und Industrie leistet hierzu einen wesentlichen Beitrag. Gleichzeitig sind zwei von drei Unternehmen aus der Branche laut VDMA-Umfrage der Meinung, dass die Wissenschaft zu freizügig mit in Deutschland generiertem, öffentlich finanziertem Wissen umgeht. Vor diesem Hintergrund hat die Impuls-Stiftung des VDMA eine Studie zu internationalen Forschungskooperationen beauftragt. Kernbotschaft der vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI erstellten Studie ist, dass eine Entwicklung hin zu weniger Kooperation für den Standort kontraproduktiv wäre und eine zu weitreichende Entkoppelung droht.

Internationale Wissenschaftskooperationen auf dem Rückzug

Deutsche Unternehmen profitieren von Erkenntnissen, die führende Wissenschaftler im Rahmen internationaler Kooperationen erlangen. Auch unter geopolitisch stark veränderten Rahmenbedingungen bleibt es deshalb im Interesse des Standorts, dass die Wissenschaft global strategisch kooperiert und die Industrie an ihren so gewonnenen Erkenntnissen teilhaben lässt. „Vor diesem Hintergrund ist es bedenklich, dass die politische Großwetterlage viel Verunsicherung geschaffen hat“, sagt Studienleiter Dr. Henning Kroll vom Fraunhofer ISI. „Viele Forschende sind aus Angst vor Reputationsverlust bereits heute weniger geneigt, internationale Kooperationen mit potenziell kritischen Partnern einzugehen.“

Parallel fährt die deutsche Politik ihre Investitionen in internationale Kooperationsprojekte seit einigen Jahren zurück. Im Ergebnis sind vertiefte, öffentlich geförderte Forschungskooperationen insbesondere mit China rückläufig. Die Wissenschaftler vom Fraunhofer ISI kommen auf der Basis von Experteninterviews mit Wissenschaftsinstitutionen, Hochschulen und Bundesministerien zu dem Ergebnis, dass eine Grundhaltung unbedarfter Offenheit in der deutschen Wissenschaft nicht mehr allgemein besteht. Im Gegenteil sichern sich viele Forschungseinrichtungen bereits ab und wirken kritischen internationalen Engagements entgegen. So wurden vielfach Handreichungen zur Kooperation entwickelt und in Programme zum eigenen Kompetenzaufbau investiert.

Verfügbarkeit von globalem Wissen sichert technologische Souveränität

„Neuestes Wissen, Geschwindigkeit und Umsetzungskompetenz entscheiden im internationalen Technologiewettbewerb“, betont Hartmut Rauen (Foto), stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA anlässlich der Veröffentlichung der Impuls-Kurzstudie. „Die Verfügbarkeit anwendungsnaher Forschungsergebnisse und wettbewerbsrelevanter Technologien aus der Wissenschaft sind enorm wichtig für unseren Innovationsraum, weshalb wir ein strategisches Wissensmanagement brauchen, das die technologische Souveränität Deutschlands stärkt und hierzulande Nutzen stiftet“, sagt Rauen. „Das Vermeiden von ungewolltem Wissensabfluss auf der Basis von Leitplanken und das gezielte internationale Kooperieren, um Wissenszuwächse zu generieren, sind zwei Seiten der einen Medaille.“

Die Kurzstudie ‚Governance internationaler Zusammenarbeit in Forschung und Technologie‘ lässt sich HIER kostenfrei herunterladen.