2026: Jahr der Wahrheit für Europas KI-Ambitionen

Robert Gögele
Robert Gögele Bild: ©Alex Schelbert / Avanade Deutschland GmbH

Für den europäischen und deutschen Wirtschaftsraum ist es an der Zeit, in etlichen Technologie-Bereichen das Investitionstempo wieder zu erhöhen. Bei den relevanten Trends des Jahres 2026 und darüber hinaus ist insbesondere Deutschland noch nicht gut aufgestellt, um im internationalen Wettbewerb die erforderlichen Fortschritte bei Produktivität und Innovation zu machen – so die Einschätzung von Robert Gögele, Area President Europe and Middle East bei Avanade.

Konkret ergeben sich für das Jahr 2026 folgende Trends:

  • EU AI Act: Um regulatorische Vorgaben umzusetzen, werden Unternehmen erhebliche Ressourcen aufbringen müssen. Gleichzeitig sollten kurzfristige operative Maßnahmen zur schnelleren und gewinnbringenderen Nutzung künstlicher Intelligenz verstärkt und die diesbezügliche strategische Ausrichtung geschärft werden.
  • Mehr Effizienz für Beibehalt der Marktrelevanz: Da sich der Wettbewerb 2026 weiter intensivieren wird, sollten Unternehmen in Europa und Deutschland ihre Geschäftsmodelle und sämtliche Prozesse schnell optimieren. Als durchschnittliche Mindestgröße stehen mittlere zweistellige Prozentsätze im Raum.
  • Persistenz bei KI-Projekten: Während IT- und operative Abteilungen mit viel Optimismus und Perfektionsanspruch zügig erste KI-Projekte begonnen haben, müssen sie nun ihre Anwendungsfälle prüfen, optimieren, neue aufbauen und skalieren. Hierfür ist auch eine positive Fehlerkultur entscheidend. Die Erwartung muss sich von ‚Selbstläufer KI‘ weiterentwickeln zu ‚KI-Einsatz als kontinuierliches Programm‘.
  • Fachkräfte: Unternehmen werden sich beim Recruiting vor allem darauf fokussieren müssen, sehr erfahrene Arbeitskräfte zu finden und zu halten. Das gilt im Besonderen für Aufgaben rund um IT-Innovationen, Prozessoptimierung und künstliche Intelligenz. Überdies werden umfassende Investitionen in Schulungen und Weiterbildung erforderlich sein.
  • Bildungssystem: Eine der zentralen Aufgaben für das Jahr 2026 wird es sein, die zersplitterte Bildungspolitik der einzelnen Länder zu ändern und den KI-Trend nachhaltig in den Lehrplänen und Schulen zu verankern – mitsamt der ihm inhärenten Dynamik.Pragmatismus statt Perfektion:  Abstrakte Gefährdungen mit niedrigen Eintrittswahrscheinlichkeiten dürfen nicht dazu führen, akute und aktuelle Innovationen nicht stattfinden zu lassen.

„Insbesondere Deutschland, aber auch weite Teile Europas insgesamt sollten sich wieder stärker um technologische Geschwindigkeit kümmern“, fasst Robert Gögele zusammen. „Das bedeutet nicht, dass Risiken ignoriert werden sollten. Es wird jedoch entscheidend sein, die Chancen endlich wieder mindestens gleichwertig zu sehen und ihnen sehr rasch die entsprechende positive Energie zukommen zu lassen. Andernfalls sind wir digital souverän, aber verlieren jedes Innovationsfeld und den Produktivitätswettbewerb ans Ausland. 2026 wird insofern ein entscheidendes Jahr – mit mehr Pragmatismus können wir eine Wende zum Guten schaffen.“