
Der Fertigungssektor erlebt eine bemerkenswerte Transformation in seinem Ansatz zur Technologieadoption. Laut dem Bericht, der über 1.500 Führungskräfte aus der Fertigungsindustrie in 17 Ländern befragte, investieren 96 Prozent der deutschen Hersteller bereits in KI oder planen dies zu tun – und stehen damit auf Augenhöhe mit ihren amerikanischen Pendants. Diese weitverbreitete Adoption spiegelt die wachsende Erkenntnis wider, dass KI nicht nur Produktivitätsgewinne bringt, sondern auch kritische Schwachstellen in zunehmend vernetzten Produktionsumgebungen adressiert.
Diese Erhöhung der Cybersicherheitsbedenken auf Führungsebene stellt eine signifikante Verschiebung der organisatorischen Prioritäten dar. Deutschland zeigt eine starke Dynamik bei der KI/ML-Adoption und steigert seinen bereits investierten Anteil von 47 Prozent im Jahr 2024 auf 51 Prozent, womit das Land sowohl über dem europäischen Durchschnitt von 47 Prozent als auch über dem globalen Durchschnitt von 49 Prozent liegt.
Überbrückung der IT-OT-Kluft
Eine der hartnäckigsten Herausforderungen in der Fertigungscybersicherheit war die traditionelle Trennung zwischen den Bereichen Informationstechnologie (IT) und Betriebstechnologie (OT). Da Fertigungsanlagen zunehmend digital integriert werden, hat diese Trennung Sicherheitslücken geschaffen, die von böswilligen Akteuren zunehmend ausgenutzt werden.
Es stellt sich die Frage: Wie viel IT-Expertise ist für eine effektive OT-Cybersicherheit noch notwendig? Die Antwort ist differenziert. Während spezialisiertes IT-Sicherheitswissen weiterhin wertvoll bleibt, deutet der Bericht darauf hin, dass KI dazu beiträgt, diese Lücke zu schließen, indem sie OT-spezifische Sicherheitslösungen bereitstellt, die kein umfassendes IT-Fachwissen vom Personal in der Produktion erfordern.
Die Hersteller, die KI als Teil eines programmatischen, anlagenzentrierten Ansatzes behandeln, übertreffen bereits diejenigen, die versuchen, sich mit Patches zur Sicherheit durchzuschlagen. Aber KI richtig einzusetzen bedeutet nicht einfach, Technologie zu implementieren und auf Erkenntnisse zu hoffen. Es bedeutet, sie auf reale Telemetrie, kontextbezogene Anlagendaten und praktische Governance zu stützen, die mit dem tatsächlichen Risiko übereinstimmt.
KI-gestützte Sicherheitsansätze
Der traditionelle Ansatz zur Cybersicherheit in der Fertigung war weitgehend reaktiv – man reagierte auf Vorfälle, nachdem sie aufgetreten waren. KI ermöglicht eine grundlegende Verschiebung hin zu proaktivem Risikomanagement. In Deutschland planen 28 Prozent der Hersteller, KI speziell für Cybersicherheitsanwendungen einzusetzen, und erkennen damit ihr Potenzial, Bedrohungen zu identifizieren, bevor sie sich zu Angriffen entwickeln.
Diese proaktive Haltung ist besonders wichtig, da 47 Prozent der europäischen Hersteller bereits Cybersicherheitsplattformen eingeführt haben. Diese Plattformen können, wenn sie mit KI-Fähigkeiten erweitert werden, eine kontinuierliche Überwachung und Anomalieerkennung bieten, die für menschliche Bediener allein unmöglich wäre.
Kontextuelle Intelligenzmacht den Unterschied
Was KI in OT-Umgebungen besonders wertvoll macht, ist ihre Fähigkeit, kontextuelle Intelligenz zu liefern. Im Gegensatz zu generischen IT-Sicherheitstools, die möglicherweise jede potenzielle Schwachstelle mit gleicher Dringlichkeit kennzeichnen, können für die Fertigung konzipierte KI-Systeme zwischen einer hochanfälligen Kamera in einem Gastnetzwerk und einem Legacy-Controller, der kritische Batch-Prozesse ausführt, unterscheiden. Künstliche Intelligenz (KI) verspricht die Revolution der Fertigung, doch in der Praxis scheitern viele Projekte an einer unzureichenden Datenbasis. Warum Sie erst Ordnung schaffen müssen, bevor Sie Künstliche Intelligenz erfolgreich nutzen können. ‣ weiterlesen
Ohne Datenordnung keine Effizienz: Wie Sie Ihre Produktion KI-ready machen
KI sollte Risikomodelle verstärken, nicht definieren. Wenn sie Herstellern helfen kann, inaktive Konten besser zu erkennen, Fehlkonfigurationen zu identifizieren oder Patches basierend auf der Kritikalität von Anlagen zu priorisieren, dann erfüllt sie ihre Aufgabe. Aber ohne diese Grundlage ist KI nur Lärm im großen Maßstab.
Dieses kontextuelle Verständnis ist entscheidend, da in Fertigungsumgebungen nicht alle Anlagen die gleiche betriebliche Bedeutung haben. Ein Sicherheitsvorfall, der ein peripheres System betrifft, könnte tolerierbar sein, während einer, der einen produktionskritischen Controller betrifft, zu kostspieligen Ausfallzeiten oder sogar Sicherheitsrisiken führen könnte.

Bewältigung des Fachkräftemangels durch KI
Einer der überzeugendsten Gründe für die Einführung von KI in der Fertigungscybersicherheit ist der anhaltende Fachkräftemangel. Der Bericht identifiziert den Mangel an qualifiziertem Personal als größte interne Wachstumsbeschränkung für deutsche Hersteller, wobei 45 Prozent dies als Hauptanliegen nennen – höher als sowohl der globale Durchschnitt (42 Prozent) als auch die USA (41 Proent).
Die Fertigungsindustrie kann den Fachkräftemangel nicht einfach durch Einstellungen beheben. Mit über einer Million unbesetzter Cyber-Jobs weltweit wird die Automatisierung repetitiver Aufgaben unerlässlich, wodurch sich die begrenzte menschliche Expertise auf strategische Entscheidungen und komplexe Problemlösungen konzentrieren kann. Dieser Multiplikatoreffekt ist besonders wertvoll in OT-Umgebungen, wo spezialisiertes Wissen sowohl über Cybersicherheit als auch über industrielle Prozesse selten ist.
Die IT-Wissensfrage
Für Führungskräfte in der Fertigung, die sich fragen, wie viel IT-Wissen für die Implementierung effektiver Cybersicherheit erforderlich ist, bietet der Bericht ermutigende Erkenntnisse. Moderne KI-gestützte Sicherheitsplattformen werden zunehmend mit Blick auf OT-Benutzer konzipiert und verfügen über intuitive Benutzeroberflächen und automatisierte Workflows, die kein tiefes IT-Fachwissen erfordern.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass IT-Wissen irrelevant wird. Vielmehr entwickelt sich die Beziehung zu einem kollaborativen Modell, bei dem IT-Sicherheitsprinzipien auf OT-gerechte Weise angewendet werden, oft vermittelt durch KI-Systeme, die zwischen diesen traditionell getrennten Bereichen übersetzen können.
Die erfolgreichsten Implementierungen umfassen typischerweise funktionsübergreifende Teams, in denen IT-Sicherheitsexpertise mit OT-Betriebswissen kombiniert wird, alles unterstützt durch KI-Systeme, die große Datenmengen verarbeiten und Muster identifizieren können, die menschlichen Analysten entgehen könnten.
Verbesserung der Sicherheit durch Simulation
Ein weiterer Bereich, in dem KI erhebliche Fortschritte macht, ist die Verwendung von Digital-Twin-Technologie für Sicherheitsplanung und -tests. Der Bericht zeigt, dass 37 Prozent der deutschen Hersteller bereits digitale Zwillinge nutzen, während weitere 47 Prozent planen, sie zu implementieren.
Diese virtuellen Replikate physischer Fertigungssysteme ermöglichen es Sicherheitsteams, Angriffe zu simulieren und Abwehrmaßnahmen zu testen, ohne tatsächliche Produktionssysteme zu gefährden. Wenn sie mit KI erweitert werden, können digitale Zwillinge vorhersagen, wie sich Angriffe durch ein System ausbreiten könnten, und Schwachstellen identifizieren, die sonst unbemerkt bleiben könnten. Deutsche Hersteller berichten von einer 74-prozentigen Verbesserung der Projekteffektivität durch Digital-Twin-Technologie, etwas höher als der globale Durchschnitt von 71 Prozent.

KI-gesteuerter Sicherheit bietet Wettbewerbsvorteile
Mit der fortschreitenden digitalen Transformation der Fertigung wird die strategische Anwendung von KI in der Cybersicherheit zunehmend Branchenführer von Nachzüglern trennen. Der Bericht deutet darauf hin, dass diese Trennung bereits im Gange ist, wobei vorausschauende Hersteller KI nicht nur zur Bedrohungserkennung, sondern auch für proaktives Risikomanagement und Lebenszyklusplanung einsetzen.
Die Organisationen, die das langfristige Spiel gewinnen, nutzen Cybersicherheitsrisiken, um die Lebenszyklusplanung voranzutreiben. Dazu gehört zu wissen, welche Anlagen am Ende ihrer Lebensdauer sind, was gehärtet werden kann und was isoliert werden muss. Dies verschiebt Cyber von reaktiver Brandbekämpfung zu proaktivem Risikomanagement, wo der eigentliche ROI liegt.
Ein neues Sicherheitsparadigma
Die Integration von KI in die Fertigungscybersicherheit stellt mehr als nur ein technologisches Upgrade dar – sie signalisiert einen fundamentalen Wandel in der Art und Weise, wie Industrieorganisationen an das Risikomanagement herangehen. Durch die Bereitstellung kontextueller Intelligenz, die Überbrückung der IT-OT-Kluft und die Hilfe bei der Bewältigung des Fachkräftemangels ermöglicht KI eine proaktivere und widerstandsfähigere Sicherheitshaltung.
Für Führungskräfte in der Fertigung ist die Botschaft klar: KI ist nicht nur ein Werkzeug zur Verbesserung von Effizienz und Qualität – sie wird zu einem wesentlichen Bestandteil einer umfassenden Cybersicherheitsstrategie. Diejenigen, die diese Realität akzeptieren und in KI-Lösungen investieren, die speziell für OT-Umgebungen konzipiert sind, werden besser positioniert sein, um ihre Betriebe gegen eine zunehmend anspruchsvolle Bedrohungslandschaft zu schützen.
Die Trennung zwischen Führenden und Nachzüglern findet bereits statt – und nicht nur aus Sicherheitssicht. Die Hersteller, die KI als Teil eines programmatischen, anlagenzentrierten Ansatzes behandeln, übertreffen bereits diejenigen, die versuchen, sich mit Patches zur Sicherheit durchzuschlagen.
In diesem neuen Paradigma ist Cybersicherheit nicht mehr nur eine IT-Verantwortung, sondern eine Kerngeschäftsfunktion, die die kombinierten Stärken menschlicher Expertise und künstlicher Intelligenz erfordert – wobei jede die andere ergänzt, um eine Verteidigung zu schaffen, die größer ist als die Summe ihrer Teile.















