Künstliche Intelligenz im Finanz- und Rechnungswesen

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Beim Blick auf die aktuelle Rolle der Technologie ist das Bild etwas weniger eindeutig: Einerseits meinen 75 Prozent der Befragten, dass KI für die Abschlussprüfung relevant ist – das sind 13 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Andererseits hat die Technologie erst bei elf Prozent die Abschlussprüfung mindestens im mittleren Maße vorangebracht. Und nur 22 Prozent der Unternehmen berichten, dass sie ihre Finanzfunktion aktuell mithilfe von KI transformieren. Insgesamt nutzt ein gutes Viertel (27 Prozent) der Befragten aktuell KI, um die Abschlussprüfung zu automatisieren.

Eine gewisse Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität zeigt sich auch bei der Entwicklung von KI-Anwendungen für die Abschlussprüfung: So wollen 30 Prozent der Unternehmen, die KI künftig nutzen wollen, auf eine am Markt erhältliche KI zurückgreifen; demgegenüber planen nur vier Prozent, selbst eine Anwendung zu entwickeln. „Dass die Unternehmen ihre Hoffnungen in am Markt verfügbare KI-Lösungen setzen, ist verständlich. Angesichts der sehr individuellen Anforderungen, die Unternehmen und Prüfer:innen in der Abschlussprüfung haben, lassen sich Standardlösungen allerdings nur sehr begrenzt realisieren“, Dietmar Prümm, Mitglied der Geschäftsführung und Leiter Assurance bei PwC Deutschland.

Weitere Ergebnisse:

  • 76% der Unternehmen erwarten, dass KI die Abschlussprüfung technologisch erheblich verändern wird.
  • 76% denken, dass sich die Abschlussprüfung mit KI zumindest teilweise automatisieren lässt.
  • Nur 56% nutzen heute schon KI für die Abschlussprüfung – oder planen, dies zu tun.
  • 79% meinen, dass KI beitragen kann, regulatorische Anforderungen besser zu erfüllen.

Zeit und Kosten sparen – und mit knappen Personalressourcen umgehen

Welchen Nutzen erwarten die Unternehmen von KI? Ganz überwiegend möchten sie Zeit und Kosten (93 Prozent Zustimmung) sowie Ressourcen einsparen (87 Prozent). Ebenfalls wichtig: Viele Unternehmen wollen künstliche Intelligenz nutzen, um den stetig steigenden regulatorischen Anforderungen zu begegnen (79 Prozent). Die geringste Priorität aller abgefragten Funktionen weisen sie dem Wissenserhalt zu: nur 56 Prozent der Befragten wollen die Technologie hierfür nutzen. „KI wird sicherlich dazu beitragen, Zeit und Kosten zu sparen. Vor allem geht es aber darum, mit zunehmender Regulierung bei immer weniger verfügbarem Personal umzugehen. Es stimmt mich optimistisch, dass die Unternehmen diese Herausforderung offenbar erkannt haben“, Prof. Dr. Rüdiger Loitz, Partner bei PwC Deutschland.

Und was wünschen sich die Unternehmen von den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften? 73 Prozent der Befragten erwarten von den Abschlussprüfer:innen, dass diese KI zumindest in einem kleineren Umfang einsetzen. Damit die Prüfer die Technologie aber wirklich umfassend nutzen können, müssen Unternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften besser zusammenarbeiten. Das zeigt sich etwa beim Datenabfluss: Selbst von den Unternehmen, für die KI heute schon eine Rolle in der Abschlussprüfung spielt, erlauben nur 52 Prozent einen teilweisen Datenabfluss an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Diese benötigen allerdings eine umfangreiche Datenbasis, um ihre KI-Modelle für die Anwendung bei den Kunden bestmöglich zu trainieren.

Amortisationsbasierte Preismodelle bisher wenig populär

Eine ähnliche Problematik gibt es bei den Entwicklungskosten für KI-Anwendungen: Den erheblichen Potenzialen der Technologie stehen erhebliche Kosten gegenüber. Allerdings sind bisher nur 28 Prozent der Befragten bereit, sich beispielsweise über amortisationsbasierte Preismodelle an den Entwicklungskosten solcher Anwendungen zu beteiligen. „Es wird kein universell einsetzbares KI-Tool für die Abschlussprüfung geben, sondern maßgeschneiderte Lösungen für die jeweiligen Bedürfnisse von Wirtschaftsprüfer und ihren Mandanten. Es braucht daher Preismodelle, die diese Entwicklung reflektieren – und vor allem den Mut sowie die Bereitschaft von Unternehmen und Prüfungsgesellschaften gleichermaßen, enger als bisher zusammenzuarbeiten“, Dietmar Prümm, Mitglied der Geschäftsführung und Leiter Assurance bei PwC Deutschland.