Datenprodukte statt zentrale Datenhoheit

Data Mesh setzt weniger bei Technologie als bei Organisation an. Fachdomänen sollen Daten als Produkte verantworten. Statt dass eine zentrale Datenorganisation alle Daten sammelt, verantworten die Fachbereiche ihre Datenprodukte. Eine zentrale Plattform unterstützt mit Standards, Governance und Self-Service-Infrastruktur. Der Vorteil liegt in fachlicher Nähe. Wer die Daten erzeugt und nutzt, übernimmt Verantwortung für Qualität, Bedeutung und Nutzbarkeit. Der Nachteil ist der organisatorische Aufwand. Data Mesh benötigt Data Product Owner, Standards, Governance, Kulturwandel und klare Anreizsysteme. In großen Unternehmen kann das sehr leistungsfähig sein; in kleineren Organisationen kann es überdimensioniert wirken.

Zugang zu unstrukturiertem Wissen

Für Generative AI und Agentic AI hat sich ein weiterer Ansatz etabliert: Retrieval-Augmented Generation, kurz RAG. Dabei werden Unternehmensdokumente, Wissensdatenbanken, Wikis, Tickets, Handbücher oder andere Quellen so erschlossen, dass ein KI-System relevante Inhalte suchen, auswerten und in Antworten einbeziehen kann. Der Vorteil ist die schnelle Nutzbarkeit von unstrukturiertem Wissen. RAG ist jedoch kein Ersatz für Datenmanagement. Ohne Berechtigungskonzepte, Quellenbewertung, Aktualitätsprüfung, Metadaten, Versionierung und Antwortvalidierung drohen falsche oder nicht nachvollziehbare Ergebnisse.

Event-driven Architecture und Co.

In der Fertigung, Logistik, Energie oder bei vernetzten Produkten spielt Echtzeit eine besondere Rolle. Sensoren, Maschinen, Steuerungen, Edge-Systeme und Cloud-Plattformen erzeugen kontinuierlich Datenströme. Event-driven Architectures und Operational Data Planes machen solche Ereignisse nutzbar: nicht nur für Dashboards, sondern für vorausschauende Wartung, Qualitätsabweichungen, Produktionssteuerung oder automatisierte Reaktionen. Dieser Ansatz ist stark, wenn KI zeitnah in operative Abläufe eingreifen soll. Er ist aber technisch anspruchsvoll. Echtzeitdaten benötigen saubere Schnittstellen, Monitoring, Security, robuste Betriebsmodelle und klare Entscheidungen darüber, wann eine KI nur empfiehlt und wann sie Aktionen auslösen darf.

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