
Deutsche Kliniken leiden unter Personalmangel. In ihrer Pressemitteilung verweist die Robotik-Community Robot Valley auf eine Untersuchung des Deutschen Krankenhaus Instituts (DKI). Laut dieser haben 66% der Kliniken Probleme damit, Pflegepersonal für Allgemeinstationen zu finden. Rund 18 Stellen sind hier je Klinik unbesetzt. Obwohl die Anzahl der Arbeitnehmenden in Kliniken steigt, nimmt aufgrund von Teilzeit die tatsächliche Arbeitszeit ab. Kliniken setzen deshalb zunehmend auf Technologien, die ihre Belegschaft entlasten und unterstützen.
Robotik in der Medizin
Als einen Anwendungsfall für Robotik beschreibt Robot Valley etwa, dass diese körperlich schwere Aufgaben, repetitive Arbeitsvorgänge, präzise Eingriffe und Routinen übernehmen kann. Einen Roboter einfach auf die Station zu stellen, sei jedoch nicht die Lösung. Als erster Schritt wird in der Pressemitteilung eine Bedarfsanalyse hervorgehoben. Sie zeigt, an welcher konkreten Stelle ein Roboter ein Organisations- oder Versorgungsproblem lösen kann. Dann folgt die Auswahl der Technologie, eine Pilotphase, in der das System getestet wird, und schließlich die Implementierung.
Betont wird weiter, dass der Mensch dabei im Zentrum der medizinischen Versorgung bleibt und ein Roboter keine medizinischen Kernaufgaben ersetzt. Vielmehr gehe es darum, so Robot Valley, das Personal von unproduktiven, aber zeitaufwändigen Lauf- und Transportzeiten zu befreien und Präzisionsarbeit zu verbessern. Diese Anwendungen sind mit Robotik einfach skalierbar. Robotik funktioniert deshalb nur gemeinsam mit dem Personal. Eine klare Kommunikation von Beginn an, die Einbeziehung des Personals in Überlegungen und Entscheidungen sowie Schulungen, Trainings und Weiterbildungen fördern die Akzeptanz in der Belegschaft und legen den Grundstein für eine erfolgreiche Implementierung.
In der Pressemitteilung beschreibt Robot Valley weiter konkrete Einsatzbereiche für Robotik im medizinischen Bereich. In Kliniken kommen Roboter etwa in der Chirurgie, in der Logistik und in der Rehabilitation zum Einsatz.
Roboter unterstützen Chirurgen
So zählen Roboterinstrumente in der Chirurgie mittlerweile oft zur Standardausstattung von Kliniken. Laut Robot Valley eignen sie sich besonders für den Einsatz in engen Operationsräumen wie dem kleinen Becken, wenn empfindliche Strukturen wie Nerven in der Nähe liegen oder komplexe Vorbereitungen nötig sind. Roboter sind mit beweglichen Gelenken ausgestattet, die sich auch im menschlichen Körper ähnlich wie menschliche Hände bewegen können. Sie bieten mehr Bewegungsfreiheit als starre, laparoskopische Instrumente und kommen verstärkt in der Urologie, Viszeralchirurgie, Gynäkologie und der Thoraxchirurgie zum Einsatz.
Roboter ermöglichen zudem 3D-Sicht und hochauflösende Vergrößerungen. Chirurgen können sich so einen zusätzlichen Überblick über die Lage verschaffen. Tremorfilter absorbieren minimale natürliche Handbewegungen und vereinfachen komplexe Nähte auch auf engem Raum.
Robot Valley hebt hier hervor, dass Roboter nie allein operieren, sondern immer in Zusammenarbeit mit menschlichen Chirurgen. Ihre Bewegungen werden dabei auf die hochbeweglichen Instrumente des Roboters übertragen, der präzise und zugleich minimalinvasive Eingriffe ermöglicht. Als Vorreiter wird hier das Klinikum Chemnitz genannt. Dort wird seit 2021 ein Roboter-System für minimalinvasive Eingriffe eingesetzt. Im April 2026 wurde damit bereits die 1.000. OP durchgeführt.
Als positive Effekte für Patienten werden in der Pressemitteilung kleinere Wundstellen, weniger Blutverlust und kürzere Krankenhausaufenthalte beschrieben. Chirurgen profitieren von ergonomischen Vorteilen, da sie die Roboterinstrumente im Sitzen an einer Konsole bedienen können. Besonders bei langen Operationen helfe das auch der Konzentration des Chirurgen.
Materialtransport mit Autonomous Mobile Robots
Körperliche Entlastung liefern auch Autonomous Mobile Robots (AMR). Dabei handelt es sich um Roboter, die sich eigenständig fortbewegen und dabei Transportaufgaben übernehmen. Wie Robot Valley erklärt, können AMR Medikamente, Wäsche, Mahlzeiten, Laborproben oder Verbrauchsmaterial zwischen Stationen hin und her bewegen. Diese Aufgaben nehmen im Alltag durch oft lange Laufwege viel Zeit in Anspruch. Durch die Automatisierung mit AMR kann diese Zeit vom Personal nun in die Patientenpflege fließen. AMR können zudem nachts eingesetzt werden und Arbeiten erledigen, die im Alltag nicht dringend sind, aber dennoch gemacht werden müssen.















