
Im Technologieprogramm des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) wurde in den vergangenen drei Jahren ein gemeinsamer Datenraum aufgebaut und für konkrete Anwendungen nutzbar gemacht. Der SmartLivingNext-Datenraum sammelt Daten nicht zentral. Er verbindet Systeme so, dass Daten kontrolliert gemeinsam genutzt werden können. Die Daten bleiben in ihren Ursprungssystemen. Die jeweiligen Datenbesitzenden entscheiden weiterhin selbst, wer sie zu welchem Zweck verwenden darf.
Gerade für den Gebäudebestand ist das wichtig. Dort sind technische Systeme meist über Jahre gewachsen, oft von unterschiedlichen Herstellern und selten so aufgebaut, dass sie reibungslos zusammenspielen. Der SmartLivingNext-Datenraum setzt an dieser Realität an. Er verbindet vorhandene Technik mit neuen digitalen Diensten, statt komplette Strukturen neu aufzubauen. Was sich damit praktisch erreichen lässt, zeigen drei Projekte aus dem Technologieprogramm: BIM-4-Care, Comet und Fame4Me.

Wohnraumanpassung digital planen
Pflegebedürftige Menschen brauchen individuell angepassten Wohnraum. BIM-4-Care hat dafür einen digitalen Planungsprozess entwickelt. Bislang liefen Bestandsaufnahme, pflegerische Einschätzung, Bauplanung und die Auswahl technischer Assistenzsysteme häufig nebeneinander her. Das machte die Anpassung von Wohnungen aufwendig und erschwerte eine gute Abstimmung.
BIM-4-Care hat Wohnungen digital erfasst und daraus dreidimensionale Modelle aufgebaut. Diese wurden mit Informationen zum pflegerischen Status der Bewohnenden, zu Hilfsmitteln und Unterstützungsbedarf sowie mit pflegerischem und baulichem Fachwissen verbunden. So wurde sichtbar, wo Barrieren auftreten, z.B. durch schmale Türen, ungünstige Bewegungsflächen oder Stolperrisiken. Dies ergab sich aus der jeweiligen Pflegesituation. Ein Rollator stellt andere Anforderungen an den Wohnraum als ein Rollstuhl, ein Gehstock oder eine demenzbedingte Orientierungseinschränkung. Auf dieser Grundlage lassen sich bauliche und unterstützende Maßnahmen gezielter ableiten.
Das verbessert die Planbarkeit der pflegegerechten Wohnraumanpassung. Pflegeberaterinnen und -berater, Pflegefachkräfte, Planende und Handwerksbetriebe arbeiteten mit derselben Informationsgrundlage. In einer interaktiven 360-Grad-Ansicht konnten sie Maßnahmen gemeinsam besprechen und priorisieren. Über den SmartLivingNext-Datenraum ließen sich Wohnungsdaten, Bau-Checklisten und digitale Wohnungsmodelle zudem sicher für weitere Anwendungen nutzbar machen, z.B. für die Installation digitaler intelligente Pflegeassistenzsysteme.
Das Unternehmen Open Experience plant, Ergebnisse aus BIM-4-Care nach dem Projektabschluss schrittweise in eine Dienstleistung zur pflegegerechten Wohnungserfassung zu überführen. Erste Bausteine sollen bereits kurz nach Projektende nutzbar werden. Dazu gehört die automatische Erkennung von Türen, Treppen und Möbeln in 360-Grad-Bildern. Auch das Architekturbüro ALN Leinhäupl + Neuber nutzt die im Projekt aufgebaute Wissensbasis bereits bei der Planung von Gesundheits- und Pflegebauten.

Wer Daten nutzt, muss die Zustimmung mitdenken
Comet nahm eine andere, aber ebenso zentrale Voraussetzung in den Blick: die Einwilligung. Denn für einen gemeinsamen Datenraum reicht es nicht aus, einfach nur einen nur technischen Zugriff zu ermöglichen. Es muss auch geklärt werden, wer welche Daten nutzen darf und warum. Ein vollständig ausgestattetes Smart Home ist dafür nicht nötig. Schon Daten aus einzelnen Apps, Smart-Meter-Anwendungen oder vernetzten Geräten können relevant sein, wenn ihre Nutzung transparent, nachvollziehbar und kontrollierbar geregelt ist.
Comet entwickelte für den SmartLivingNext Datenraum technische und organisatorische Bausteine wie den Personal Data Market, den Data Usage Analyzer und die Consent Registry. Sie machen sichtbar, welche Daten geteilt werden, wer darauf zugreifen darf und unter welchen Bedingungen das geschieht. Damit wird aus einzelnen Datenquellen ein kontrollierter Zugang zu neuen Anwendungen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist das relevant, weil sie mit Zustimmung der Datenbesitzenden auf Daten für eigene Services zugreifen können. Für User bleibt zugleich transparent, was mit ihren Daten geschieht.
Auch diese Ergebnisse reichen über die Projektlaufzeit hinaus. Die Dienste für die kontrollierte Datenfreigaben sollen innerhalb der SmartLivingNext-Struktur verstetigt werden. Im Projekt ebenfalls entwickelte Statistik-Services wie Prognosen und Übersichten zum Stromverbrauch werden weiterhin von den beteiligten Anwendungspartnern EHW+, Powerfox und EasierLife für ihre Kunden bereitgestellt. Sie sollen künftig auch weiteren App-Anbietern als Angebot verfügbar gemacht werden.

Energiemanagement, das Entscheidungen erleichtert
Fame4Me richtete den Blick auf den Energiealltag. Photovoltaik, Wärmepumpe, Elektroauto und dynamische Stromtarife eröffnen viele Möglichkeiten, machen Energienutzung aber auch komplexer. Wer wirtschaftlich und sinnvoll handeln will, muss Preise, eigenen Verbrauch und verfügbare Flexibilität gleichzeitig im Blick behalten.















