
Herr Zein, nahezu jedes Softwareunternehmen spricht derzeit über KI. Wie viel ist Hype und wie viel ist tatsächlich ein grundlegender Wandel?
Axel Zein: KI ist definitiv mehr als ein Hype. Viele Technologien durchlaufen zunächst eine Phase überzogener Erwartungen. Das war bei Cloud, Internet oder CAD nicht anders. Bei künstlicher Intelligenz sehen wir aber bereits heute konkrete Produktivitätsgewinne. Die spannende Frage ist deshalb nicht mehr, ob KI die Industrie verändern wird, sondern wie tiefgreifend diese Veränderung ausfallen wird.

Welche Auswirkungen hat das speziell auf das Engineering?
Engineering steht weltweit unter Druck. Projekte werden komplexer, Dokumentationsanforderungen steigen, gleichzeitig fehlen qualifizierte Fachkräfte. Unsere internationale Studie mit über 1.200 Elektroingenieuren zeigt, dass mehr als die Hälfte der Ingenieure keine Zeit mehr für Innovation hat. Das eigentliche Problem ist nicht fehlendes Wissen oder fehlende Technologie. Das Problem ist fehlende Engineering-Kapazität.
Moderne Engineering-Systeme verfügen bereits über Automatisierungsfunktionen. Warum reichen die nicht mehr aus?
Automatisierung war in den vergangenen Jahrzehnten ein enormer Produktivitätstreiber. Makros, Konfiguratoren und regelbasierte Workflows haben die Effizienz deutlich erhöht. Diese Ansätze funktionieren jedoch am besten in stabilen Umgebungen. Heute erleben wir das Gegenteil: Varianten nehmen zu, Anforderungen ändern sich schneller, Kunden erwarten individuelle Lösungen. Die Komplexität wächst schneller als klassische Automatisierungssysteme mithalten können.


















