KI-Vorreiter führen ihre KI-Initiativen trotz Corona unbeirrt fort

Unternehmen, die beim Thema künstliche Intelligenz (KI) führend sind, zeigen sich von der Corona-Pandemie unbeeindruckt: 78 Prozent der KI-Vorreiter unter den Unternehmen führen ihre KI-Initiativen wie vor der Pandemie fort, 21 Prozent haben deren Umsetzung sogar beschleunigt. Unter den Unternehmen, die KI noch nicht skalierbar einsetzen, fahren hingegen 43 Prozent ihrer Investitionen zurück und 16 Prozent haben ihre KI-Initiativen eingestellt. In Deutschland haben 44 Prozent der Unternehmen keine Änderungen vorgenommen, 8 Prozent die Geschwindigkeit erhöht und 19 Prozent ihre Initiativen aufgrund der unsicheren Lage eingestellt. Weiterhin verzeichnen Unternehmen mit skalierbaren KI-Anwendungen messbare Erfolge bei der Absatzsteigerung und der Reduzierung von Sicherheitsrisiken und Kundenbeschwerden. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt die Studie 'The AI Powered Enterprise: Unlocking the potential of AI at scale', für die 950 Unternehmen aus elf Ländern und elf Branchen befragt wurden.
Bild: Capgemini Germany

Erfolgreich eingeführte und skalierbare KI-Anwendungen liefern greifbare Ergebnisse: Laut der aktuellen Studie des Capgemini Research Institute verzeichnen 79 Prozent der Vorreiter, die über skalierbare KI-Lösungen verfügen, einen Anstieg von mindestens 25 Prozent beim Vertrieb von Produkten und Services. 62 Prozent von ihnen konnten zudem die Anzahl an Kundenbeschwerden um mindestens 25 Prozent reduzieren, 71 Prozent gelang dies bezüglich der Sicherheitsrisiken. Von den deutschen Unternehmen konnten 45 Prozent (global: 35 Prozent) ihre Vertriebsaktivitäten derart steigern und 49 Prozent (global: 39 Prozent) ihre Sicherheitsrisiken minimieren. Insgesamt gehören 13 Prozent (Deutschland: 16 Prozent) der befragten Unternehmen zu den Vorreitern, die KI-Anwendungen skalieren können und bereits mehrere KI-Anwendungen erfolgreich in unterschiedlichen Teams eingeführt haben. Dem gegenüber zählen 72 Prozent zu den „Nachzüglern“, die noch keines ihrer vor 2019 gestarteten KI-Pilotprojekte in eine produktive Anwendung überführen konnten. Im Vergleich zur Studie von 2017 haben aktuell 53 statt 36 Prozent der Unternehmen mindestens die Pilotphase ihrer KI-Projekte abgeschlossen.

Branchen reagieren hinsichtlich ihrer KI-Investitionen unterschiedlich auf Corona

Beim KI-Einsatz führend ist die Life-Science-Industrie, 27 Prozent der Unternehmen nutzen bereits verschiedene Anwendungen erfolgreich. Die Branche investiert 17 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung und im aktuellen Kontext sind virtuelle Assistenten, Chatbots und Corona-Warn-Apps im eHealth-Segment gefragt. So setzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf KI-basierte Anwendungen, um Infomationen zur Pandemie zu sammeln und weiterzugeben. An zweiter Stelle steht der Handel mit 21 Prozent Vorreitern, gefolgt von der Automobilbranche und den Konsumgüterherstellern (jeweils 17 Prozent) und den Telekommunikationsanbietern (14 Prozent). Aufgrund der Corona-Pandemie haben zudem nur 38 Prozent aller Life-Science-Unternehmen ihre Investitionen in KI reduziert oder ganz eingestellt, während dies bei Versicherern (66 Prozent), im Bankensektor (64 Prozent) und den Energieunternehmen (64 Prozent) weitaus häufiger der Fall war. In der Automobilbranche und im Public Sector haben jeweils 49 Prozent ihre Bemühungen zurückgefahren.

Vertrauenswürdige und qualitativ hochwertige Daten entscheidend um KI zu skalieren

Für KI-Vorreiter ist die Verbesserung der Datenqualität der wichtigste Ansatz, um zusätzliche Vorteile aus dem eigenen KI-System zu ziehen. Eine effektive Datenverwaltung sorgt demnach für die nötige Datenqualität und stellt sicher, dass Führungskräfte den Daten vertrauen. Notwendige Technologieplattformen wie hybride Cloud-Architekturen und ein gleichberechtigter Datenzugriff sind Grundlage dafür, KI umfassend einzusetzen.

KI-Experten maßgeblich um Unternehmensziele zu erreichen

Für 70 Prozent der befragten Organisationen stellt der Mangel an Talenten auf mittlerem und hohem Erfahrungslevel eine wesentliche Herausforderung für die Skalierbarkeit von Künstlicher Intelligenz dar. So haben 58 Prozent der KI-Vorreiter einen KI-Leiter ernannt, der Richtlinien zur Priorisierung der Einsatzszenarios sowie hinsichtlich ethischer und sicherheitsrelevanter Aspekte etabliert. Weiterhin vermittelt sie dem Entwicklerteam die übergeordneten Ziele und harmonisiert die bei der KI-Entwicklung zum Einsatz kommenden Plattformen und Werkzeuge. Unternehmen sollten zudem die nötigen Fähigkeiten für den umfassenden KI-Einsatz vermitteln und über Trainings und Weiterbildung sicherstellen, dass diese intern vorhanden sind. Für skalierbare KI-Anwendungen sind neben den technischen Fähigkeiten zudem Qualifikationen von Business-Analysten und Change-Management-Experten gefragt.

Ethische KI-Interaktionen wichtig für Zufriedenheit und Vertrauen der Kunden

Die Studie verdeutlicht, dass viele Unternehmen sich mit ethischen Aspekten nicht ausreichend auseinandersetzen, obwohl eine ethische KI im Fokus bei Verbrauchern und verschiedener Regulierungsmaßnahmen steht. Demnach geben nur knapp ein Drittel der Nachzügler (KI-Vorreiter: 90 Prozent) an zu wissen, wie und warum ihr KI-System zu den jeweiligen Ergebnissen kommt. Als Folge sinkt das Vertrauen von Führungskräften und auch der Kunden, da Mitarbeiter mit Kundenkontakt dem KI-System ihres Unternehmens selbst nicht vertrauen.

Hybride Steuerung hilft bei der Skalierung von KI

Bei 79 Prozent der KI-Vorreiter (Nachzügler: 29 Prozent) gibt es ein zentrales Team, das KI-Initiativen definiert und steuert. In Deutschland verfügen insgesamt 49 Prozent der Unternehmen über ein zentrales Team, während dies nur für 34 Prozent der Unternehmen weltweit gilt. Die Studie empfiehlt für die Skalierung einen hybriden Steuerungsansatz, der zusätzlich ein Netzwerk aus Kompetenzzentren zur Ideenentwicklung und Zusammenarbeit vorsieht, während die Ausführung durch die jeweiligen Geschäftsbereiche erfolgen soll.

Für die erfolgreiche Einführung von KI-Anwendungen sollten Unternehmen laut der Studie vier Prinzipien in den Mittelpunkt stellen:

  • Den Aufbau einer soliden Basis, die Mitarbeiter befähigt, einfach auf vertrauenswürdige, qualitativ hochwertige Daten zugreifen zu können und diese mithilfe geeigneter Werkzeuge, Daten- und KI-Plattformen sowie agiler Praktiken verfügbar zu machen.
  • Die Einführung von Künstlicher Intelligenz operationalisieren, anhand eines passenden Betriebsmodells, der Priorisierung von Initiativen sowie einer ausgewogenen Steuerung unter Berücksichtigung ethischer Kriterien.
  • Die Förderung von benötigen Fähigkeiten und der Zusammenarbeit mit Partnern und Ökosystemen.
  • Ein fortlaufendes Monitoring des KI-Modells hinsichtlich Genauigkeit und Leistung, um belastbare Ergebnisse zu erhalten und die Anzahl an Ergebnissen zu erhöhen.

Das könnte Sie auch Interessieren

Bild: Fraunhofer IEM
Bild: Fraunhofer IEM
Effiziente Produktionsplanung: KI reduziert Aufwand bei Schulte Kartonagen um 25%

Effiziente Produktionsplanung: KI reduziert Aufwand bei Schulte Kartonagen um 25%

Welcher Liefertermin steht wann an? Wie aufwändig muss die Maschine umgerüstet werden? Ist das benötigte Material bereits geliefert? Um die Reihenfolge verschiedener Kundenaufträge optimal zu planen, müssen Produktionsplaner:innen eine Vielzahl von Faktoren kennen und einschätzen. Bei Schulte Kartonagen hat ab sofort ein intelligenter KI-Assistent alle Faktoren im Blick – und macht Vorschläge für die effiziente Planung der Produktion. Gefördert wurde die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IEM und den Universitäten Paderborn und Bielefeld im it’s OWL-Projekt ARISE.

Bild: schoesslers GmbH
Bild: schoesslers GmbH
appliedAI Institute for Europe launcht kostenlosen KI-Onlinekurs

appliedAI Institute for Europe launcht kostenlosen KI-Onlinekurs

Das gemeinnützige appliedAI Institute for Europe stellt den kostenfreien Online-Kurs ‚AI Essentials‘ zur Verfügung, der es Interessierten ermöglicht, in die Welt der Künstlichen Intelligenz einzusteigen. Konzepte wie maschinelles Lernen und Deep-Learning sowie deren Anwendungsmöglichkeiten und Auswirkungen auf unser Leben und unsere Wirtschaft sind Teile der umfassenden Einführung.

Bild: Trumpf SE + Co. KG
Bild: Trumpf SE + Co. KG
Künstliche Intelligenz macht Fabriken clever

Künstliche Intelligenz macht Fabriken clever

Seit dem Siegeszug des Chatbots ChatGPT ist künstliche Intelligenz in aller Munde. Auch in der industriellen Produktionstechnik kommt KI mit großen Schritten voran. Lernende Maschinen machen die Fertigung effizienter. Wie funktioniert das genau? Das können Interessierte auf der EMO Hannover 2023 vom 18. bis 23. September erfahren. Die Weltleitmesse für Produktionstechnologie wird ihr Fachpublikum unter dem Claim ‚Innovate Manufacturing‘. mit frischen Ideen inspirieren und künstliche Intelligenz spielt dabei ihre Stärken aus.

Bild: Mitsubishi Electric Corporation, Japan
Bild: Mitsubishi Electric Corporation, Japan
KI-gestütztes Analysetool für moderne Produktionslinien

KI-gestütztes Analysetool für moderne Produktionslinien

Das Data-Science-Tool Melsoft MaiLab von Mitsubishi soll Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Fertigung und unterstützen und so deren Produktivität steigern. Die neue Lösung ist eine intuitive, bedienerzentrierte Plattform, die KI nutzt, um Abläufe automatisch zu verbessern. Sei es Abfallvermeidung durch geringere Ausschussmengen, weniger Stillstandszeiten durch vorbeugende Wartung oder Senkung des Energieverbrauchs durch Prozessoptimierung.

Bild: Fraunhofer IGD
Bild: Fraunhofer IGD
Software Arrange beschleunigt Absortierprozesse

Software Arrange beschleunigt Absortierprozesse

In Kombination mit einer Augmented-Reality-Brille bietet eine neue Software des Fraunhofer IGD digitale Unterstützung von Absortiervorgängen. Zusammengehörige Bauteile werden direkt im Sichtfeld der Beschäftigten an der Produktionslinie farblich überlagert. Anwender im Automotive-Bereich können so etwa durch beschleunigte Prozesse und eine minimierte Fehleranfälligkeit Kosten reduzieren.