Eigentlich hätte ich schnell nach der SPS-Messe in die Tasten greifen müssen, um meine Eindrücke aus der Automatisierungswelt noch rechtzeitig ins Heft zu bekommen. Am Ende hatte ich reichlich Zeit für dieses Vorwort: Die Veranstalter zogen kurz vor Beginn den Stecker. Pressevertreter überraschte das kaum, da sich schon vorher die Absagen mit Verweis auf die steigenden Infektionszahlen häuften. Die Firmenlenker haben das Wohl ihrer Mitarbeiter und Kunden vor wirtschaftliche Interessen gestellt. Das Verhalten zeugt von der Vertauenswürdigkeit einer Branche, die bei ihrer digitalen Transformation längst auf Produktebene agiert. Täglich erfahren wir von neuen Digitalangeboten der Automatisierer: Neue Online-Portale, digitale Zwillinge, IIoT-Plattformen, ausgelagerte Software- und Prozessberatungen und wirklich vieles mehr. Die Betriebstechnik verwächst mit den IT-Systemen, soweit bekannt. Die aktuelle Dynamik kommt eher davon, dass der hochspezialisierte Mittelstand verstärkt als Digitalanbieter auftritt.
Vertrauen ist zentral für den Erfolg dieser jungen Produktportfolios rund um Predictive Maintenance und Quality oder maschinendatengestützte Prozessoptimierung. Zwar heißt es, Vertrauen sei gut, Kontrolle noch besser. Doch IT-Systeme sind nicht so einfach zu kontrollieren, vor allem wenn künstliche Intelligenz ins Spiel kommt. Es gibt Initiativen aus der Wirtschaftethik und dem IT-Sektor, KI-Black Boxen im Sinn einer Explainable AI zu öffnen, um Vertrauen in diese Technologie herzustellen – und wohl auch, um den international enteilten Wettbewerb ein Stück weit einzufangen. Doch in einem Massenmarkt werden industrielle Anwender von ihren KI-Applikationen keine Erklärungen verlangen, sondern zuverlässige und von unerwünschten Nebenwirkungen freie Funktionstüchtigkeit.
Das ist eine Chance, denn der Markt für vertrauenswürdige KI-Lösungen ist weltweit kaum besetzt. IT-Konzerne mit ihren Siris und Alexas mögen technologisch vorne liegen und viele vertrauen den KI-erzeugten Ergebnissen (Wo ist das nächste Restaurant?). Aber Fabrikausrüster oder Maschinenbauer setzen doch wohl eher auf Toolkits, die nicht mit allerlei Datenschutz-Skandalen in Verbindung gebracht wurden. Die Automatisierungsbranche tickt anders als die IT-Welt mit ihrer Tendenz zur Monopolbildung: Der Wettbewerb ist hart, technologische Vorsprünge sind dünn und werden es trotz neuer Digitalangebote bleiben. Wenn hiesige Automatisierer das Innovationstempo der letzten Jahre halten, spielen sie technisch weiter vorne mit. Und können womöglich als ausschlaggebendes Wettbewerbsmerkmal den Faktor Vertrauen ins Feld führen. Als verlässlich wahrgenommen wird übrigens, wer zuweilen die Verantwortung für das Gemeinwohl über den eigenen Vorteil stellt – so wie es die fernbleibenden SPS-Aussteller taten. Künstliche Intelligenz (KI) verspricht die Revolution der Fertigung, doch in der Praxis scheitern viele Projekte an einer unzureichenden Datenbasis. Warum Sie erst Ordnung schaffen müssen, bevor Sie Künstliche Intelligenz erfolgreich nutzen können. ‣ weiterlesen
Ohne Datenordnung keine Effizienz: Wie Sie Ihre Produktion KI-ready machen
Informative Lektüre wünscht Ihnen
Patrick Prather,
pprather@it-production.com
















